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Ihr Leben
Übersetzerin * Kinderbuchautorin * Lyrikerin * Erzählerin
Muse und Mäzenin
Mathilde (Agnes Mathilda) wurde am 23.12.1828 in Elberfeld als Tochter des kgl. Kommerzienrates Karl Luckemeyer (Luckmejer, Luckemeier) und seiner Frau Johanna, geb. Stein, geboren und starb am 31.08.1902 in Traunblick am Traunsee ganz plötzlich auf ihrem Sommersitz. Sie gilt als Freundin Richard Wagners, der 5 Gedichte von ihr vertonte, die "Wesendonk-Lieder". Durch sie empfing er die Anregung für seine Oper "Tristan und Isolde".
Ihre Eltern zogen später nach Düsseldorf, wo Mathilde am 19. Mai 1848 Otto Wesendonck heiratete. Sie schenkte ihm 5 Kinder:
Paul, geb. 27. November 1849, gest. 21. März 1850 zu Düsseldorf.
Myrrha, geb. 7. August 1851 in Zürich, verehelicht mit Freiherr von Bissing, Schwestersohn von Eliza Wille, gest. 1888 in München.
Guido,geb. 13. September 1855, gest. 13. Oktober 1858 in Zürich.
Karl, geb. 18. April 1857; später geadelt.
Hans, geb. 16. Juni 1862 in Zürich, gest. 1882 in Berlin.
Mathilde widmete sich in späteren Jahren der Schriftstellerei, zahlreiche Werke von ihr sind im Buchhandel erschienen und zwar:
1864 Märchen und Märchen Spiele
1865 Natur-Mythen
1868 Gudrun (Schauspiel)
1869 Puppenspiele
1871 Friedrich der Große (Drama)
1872 Edith oder die Schlacht bei Hastings (Drama)
1874 Gedichte, Volksweisen, Legenden und Sagen
1875 Der Baldurmythus
1878 Odysseus
1881 Alkestis
1890 Das deutsche Kinderbuch in Wort und Bild (1869?)
1890 Alte und neue Kinderlieder
Der Züricher Großkaufmann Otto Wesendonck (geb. 16. März 1815, gest. 18. November 1896) wurde durch seine Frau Mathilde der Mäzen von Richard Wagner. Im Jahre 1850 wählte er aus geschäftlichen Gründen Zürich zum dauernden Wohnsitz. Hier ließ er sich auf dem "grünen Hügel" in der Vorstadt Enge eine prächtige Villa errichten, die er am 22. August 1857 bezog.
Auf Grund antideutscher Demonstrationen zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 (die Wesendoncks feierten den Sieg Preußens über Frankreich, sie mußten vor der Menge fliehen und ihre Villa wurde beinahe in Brand gesteckt) verkaufte er 1872 seine Villa und siedelte nach Dresden. Für die Sommermonate erwarb er den Landsitz Traunblick am Traunsee im Salzkammergut. Im Herbst 1882 vertauschte er seine sächsische Residenz mit Berlin. Hier starb er in seinem Hause, In den Zelten 21, am 18. November 1896.
Im April 1857 bezogen die Wagners das "Asyl", eine kleine Villa in Zürich-Enge neben dem Prunkbau seines Gönners Otto Wesendonck, die er ihnen zur Verfügung stellte. Richard Wagner wurde Lehrer und Liebhaber Mathilde Wesendoncks. Die Sterne für seine Ehe mit Minna standen schlecht. Otto hielt die Affäre zunächst für harmlos und Minna ahnte absolut nichts. Als sie aber schließlich Verdacht schöpfte und einen Liebesbrief Richards an Mathilde öffnete, kam es zum Eklat. Es endete damit, daß die Wagners fluchtartig das "Asyl" verließen (17. August 1858). Mathilde kehrte an die Seite ihres Gatten zurück, Minna reiste zur Kur nach Brestenburg und Richard floh über Genf nach Venedig.
Der verbotenen Liebe dieser Oper liegt wahrscheinlich Wagners eigene Affäre mit Mathilde Wesendonck, der Frau eines reichen Schweizer Bankiers, zu Grunde. Seine Teilnahme an politischen Revolutionsaktivitäten trieb ihn in ein 11-jähriges Exil in der Schweiz, wo er auf Wesendoncks finanzielle Unterstützung angewiesen war. In dieser Zeit konnte er sich intensiv mit der Opernkomposition auseinandersetzen, und hier schrieb er auch "Tristan und Isolde".
Verena Batlog
Das Geheimnis vom grünen Hügel
Villa Wesendonk? Ja, unweit der Hotelfachschule gelegen, auf einem grünen Hügel. Hier hat das Museum Rietberg seine Heimstatt gefunden. Über 5000 Kunstwerke aus allen Kontinenten sind zu bewundern. Dazu kommen immer wieder Sonder- und Wechselausstellungen. Kultur vor der Schul- bzw. Haustüre!
Birgt die Villa Wesendonk ein Geheimnis?
1848, nach seiner Flucht aus Dresden, lebte der Komponist Richard Wagner in Zürich. Nach wechselnden Unterkünften und in grossen finanziellen Schwierigkeiten, machte Wagner im Frühling 1852 die Bekanntschaft Otto Wesendonks. Dieser war, im Gegensatz zu seiner jungen Frau, in seiner Wagner-Verehrung eher zurückhaltend. Doch der Liebe zu seiner Frau wegen stand er für Wagner ein. In den Jahren 1857 bis 1859 konnte Wagner daher die Villa auf dem Rietberg bewohnen. Seine Liaison mit Mathilde Wesendonk, Otto Wesendonks Frau, ist noch heute Gesprächsthema. "Die Nibelungen" und eine Reihe besonders schöner Werke Wagners resultieren aus dieser Zeit. Später kam es zum Bruch mit seinem Gönner.
Nach: Di chli Züri Ziitig. Ausgabe Herbst 1997
Und Isolde? Soll sie Mathilde sein, die am 17. Februar 1883 schreibt:
Vom Tode hast Du oft und gern gesprochen,
aus früh'ster Zeit wohl kommt mir's in den Sinn,
wenn Du, beschwichtigend des Herzens Pochen,
die Todesruhe priesest als Gewinn.
Und Todessehnsucht spricht aus Tristans Liebe,
die Todessehnsucht aus Amfortas' Qual -
und welterlösend drückt auf Kundrys Stirne
den Todesweihekuß ihr - Parsifal.
Dein Leben war ein Schaffenstag hienieden -
der Abend kam, und mit ihm kam die Nacht.
Dein hehres Haupt umfängt des Grabes Frieden -
Du ruhest - heil Dir, heil - es ist vollbracht.
Unter Tränen und Schluchzen
Die Meistersinger floppen, die Liebe siegt: Auf den Spuren von Richard Wagner quer durch Berlin
Doch auch glückliche Stunden sind dem Bayreuther Meister an der Spree vergönnt. Mit Cosima unternimmt er am 28. November 1863 jene schicksalsentscheidende Kutschfahrt durch den Tiergarten, bei der «unter Tränen und Schluchzen» das «Bekenntnis, uns einzig gegenseitig anzugehören» ausgesprochen wird. Nur einen Steinwurf davon entfernt - Pikanterie der Geschichte - werden etwa 20 Jahre später Mathilde und Otto Wesendonk In den Zelten 21 eine Villa beziehen.
Astrid Weidauer: in Berliner Morgenpost vom 09.06.1999
Liebst du um der Schönheit
Vollkommene Aufführungen, schrieb Richard Wagner tristan-ekstatisch an seine Gönnerin Mathilde Wesendonk, müßten "die Leute wahnsinnig machen". Sein inneres Ohr mag die vulkanischen Haß-Liebe-Eruptionen erahnt, erhofft, ersehnt haben, durch welche die Besucher des Grünen Hügels von "Bayreuth's leading lady" (New York Times) in Zustände der Hör-Ekstase versetzt werden.
Über die Sopranistin Waltraud Meier
Minna, Mathilde und Cosima, diese drei Brennpunkte des Wagnerschen Liebeslebens, eine: die er heiratete, eine: die seine unsterbliche Geliebte war, und eine: die ihn heiratete, hatten jede ihre besondere Bestimmung in seinem Leben zu erfüllen, jede trat gerade in dem ihrer Aufgabe nach richtigen Augenblick in seine Erdenbahn. Welcher von ihnen der Preis gebührt? Eine schwer zu entscheidende, müßige Frage. Sie alle haben, jede in ihrer Art, unvergängliche Verdienste um den Menschen wie Künstler sich errungen und besitzen ein Anrecht auf den Dank und die Achtung der Nachwelt. Darum lasse man endlich alle kleinliche Rivalität Eifersüchtelei fahren und neige sich in der gerechten Anerkennung, daß wir ohne diese Frauen wohl schwerlich das Wagnersche Kunstwerk in seiner heutigen Größe und Ausdehnung besäßen, dem glanzvollen weiblichen Dreigestirn:
M a t h i l d e
M i n n a C o s i m a
Julius Kapp: Richard Wagner und die Frauen. Eine erotische Biographie. 1919
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