Meine Homepage Thomas   »   Mathilde Wesendonck Startseite   Seidel-Dreffke   Inhalt   Gästebuch   Kontakt  
   
 Homepage   Biografie   Aufgaben / Firmen   Projekte   Hobby / Freizeit   Freunde   GSProjekt   Zitatesammlung 
 
Freunde
Mathilde Wesendonck
Ihre Lieder (1 - 5)
Briefe an Mathilde
Abschiedsbrief Richards
Beisetzung Richards
Leserzusendungen
Die Wesendoncklieder
 

Abdruck einer alten Notenstichplatte
Abdruck der Notenstichplatte (Blei) "Der Engel"
von B. Schott' Söhne (Mainz 1899)
Foto wurde von Rainer D. Lemcke zur Verfügung gestellt.


Lied 1: Der Engel


 
In der Kindheit frühen Tagen
Hört' ich oft von Engeln sagen,
Die des Himmels hehre Wonne
Tauschen mit der Erdensonne,
 
Daß, wo bang' ein Herz in Sorgen
Schmachtet vor der Welt verborgen,
Daß, wo still es will verbluten,
Und vergehn in Tränenfluten,
 
Daß, wo brünstig sein Gebet
Einzig um Erlösung fleht,
Da der Engel niederschwebt,
Und es sanft gen Himmel hebt.
 
Ja, es stieg auch mir ein Engel nieder,
Und auf leuchtendem Gefieder
Führt er, ferne jedem Schmerz,
Meinen Geist nun himmelwärts!
 

Ende November 1857. Von Wagner komponiert 30. November


 
Lied 2: Stehe still!


 
Sausendes, brausendes Rad der Zeit,
Messer du der Ewigkeit;
Leuchtende Sphären im weiten All,
Die ihr umringt den Weltenball;
Urewige Schöpfung, halte doch ein,
Genug des Werdens, laß mich sein!
 
Halte an dich, zeugende Kraft,
Urgedanke, der ewig schafft!
Hemmet den Atem, stillet den Drang,
Schweiget nur eine Sekunde lang!
Schwellende Pulse, fesselt den Schlag;
Ende, des Wollens ewiger Tag!
 
Daß in selig süßem Vergessen
Ich mög' alle Wonnen ermessen!
Wenn Aug' in Auge wonnig trinken,
Seele ganz in Seele versinken;
Wesen in Wesen sich wiederfindet,
Und alles Hoffens Ende sich kündet;
Die Lippe verstummt in staunendem Schweigen,
Keinen Wunsch mehr will das Innre zeugen:
Erkennt der Mensch des Ewigen Spur,
Und löst dein Rätsel, heil'ge Natur!
 

20. Februar 1858. Von Wagner komponiert 22. Februar


 
Lied 3: Im Treibhaus


 
Hochgewölbte Blätterkronen,
Baldachine von Smaragd,
Kinder ihr aus fernen Zonen,
Saget mir, warum ihr klagt?
 
Schweigend neiget ihr die Zweige,
Malet Zeichen in die Luft,
Und der Leiden stummer Zeuge,
Steiget aufwärts süßer Duft.
 
Weit in sehnendem Verlangen
Breitet ihr die Arme aus,
Und umschlinget wahnbefangen
Öder Leere nicht'gen Graus.
 
Wohl, ich weiß es, arme Pflanze:
Ein Geschicke teilen wir,
Ob umstrahlt von Licht und Glanze,
Unsre Heimat ist nicht hier!
 
Und wie froh die Sonne scheidet
Von des Tages leerem Schein,
Hüllet der, der wahrhaft leidet,
Sich in Schweigens Dunkel ein.
 
Stille wird's, ein säuselnd Weben
Füllet bang den dunkeln Raum:
Schwere Tropfen seh' ich schweben
An der Blätter grünem Saum.
 

Ende April 1858. Von Wagner komponiert 1. Mai


 
Lied 4: Schmerzen


 
Sonne, weinest jeden Abend
Dir die schönen Augen rot,
Wenn im Meeresspiegel badend
Dich erreicht der frühe Tod;
 
Doch erstehst in alter Pracht,
Glorie der düstren Welt,
Du am Morgen neu erwacht,
Wie ein stolzer Siegesheld!
 
Ach, wie sollte ich da klagen,
Wie, mein Herz, so schwer dich sehn,
Muß die Sonne selbst verzagen,
Muß die Sonne untergehn?
 
Und gebieret Tod nur Leben,
Geben Schmerzen Wonnen nur:
O wie dank' ich, daß gegeben
Solche Schmerzen mir Natur!
 

Mitte Dezember 1857. Von Wagner komponiert 17. Dezember


 
Lied 5: Träume


 
Sag', welch' wunderbare Träume
Halten meinen Sinn umfangen,
Daß sie nicht wie leere Schäume
Sind in ödes Nichts vergangen?
 
Träume, die in jeder Stunde,
Jedem Tage schöner blühn,
Und mit ihrer Himmelskunde
Selig durchs Gemüte ziehn?
 
Träume, die wie hehre Strahlen
In die Seele sich versenken,
Dort ein ewig Bild zu malen:
Allvergessen, Eingedenken!
 
Träume, wie wenn Frühlingssonne
Aus dem Schnee die Blüten küßt,
Daß zu nie geahnter Wonne
Sie der neue Tag begrüßt,
 
Daß sie wachsen, daß sie blühen,
Träumed spenden ihren Duft,
Sanft an deiner Brust verglühen,
Und dann sinken in die Gruft.
 

Anfang Dezember 1857. Von Wagner komponiert 4./5. Dezember


 

Zum Seitenanfang

»»» © by Thomas Seidel · Berlin · Deutschland «««
»»»  Letzte Aktualisierung:   «««