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Mathilde Wesendonck
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Briefe an Mathilde
Abschiedsbrief Richards
Beisetzung Richards
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Briefe Richard Wagners
an Mathilde Wesendonck
Richard Wagner (Museum in Graupa bei Pirna)

 

Glückliche Schwalbe, willst du brüten,
Dein eignes Nest bau'st du dir aus;
Will ich zum Brüten Ruh' mir hüten,
Ich kann's nicht baun, das stille Haus!
Das stille Haus von Holz und Stein -
Ach, wer will meine Schwalbe sein?

Herbst 1856

 

Und meine liebe Muse bleibt mir noch fern? Schweigend harrte ich ihres Besuches; durch Bitten wollte ich sie nicht beunruhigen. Denn die Muse, wie die Liebe, beglückt nur freiwillig. Wehe dem Toren, wehe dem Lieblosen, der, was sich freiwillig ihm nicht ergibt, mit Gewalt erzwingen will! Sie lassen sich nicht zwingen. Nicht wahr? Nicht wahr? Wie könnte die Liebe noch Muse sein, ließe sie sich zwingen?
Und meine liebe Muse bleibt mir fern?

Asyl, Mai 1857

 

Meinem Landesvater habe ich nichts zu sagen: wenn er sich unterstehen wollte, mich in meinem Schwalbenneste zu besuchen, würde ich ihm die Türe weisen. - Seine Farbe ist weiß und grün; dies für Baur.
Die Muse beginnt mich zu besuchen: kündigt mir dies die Gewißheit Ihres Besuches an? Das erste, was ich fand, war eine Melodie, die ich erst gar nicht unterzubringen wußte, bis auf einmal dazu die Worte mir aus der letzten Szene des "Siegfried" kamen. Ein gutes Zeichen. Gestern ging mir auch der Anfang des 2. Aktes auf, und zwar als - Fafners Ruhe, der ich ein humoristisch gemütliches Moment abgewann. Das sollen Sie alles näher erfahren, wenn morgen die Schwalbe kommt, ihren Bau zu besichtigen.
Rich. Wagner

Asyl, 21. Mai 1857

 

Nach einer wundervollen, mit fast zehnstündigem Goethischen Schlafe gesegneten Nacht, wünsche ich heitren, seligen guten Tag, schicke den Schack, und verspreche zu Abend recht schön vorzulesen, wenn Herr Otto nichts dawider hat.

Asyl, Herbst 1857

 

Da ist noch eine Winterblume für den Weihnachtsbaum, voll lauter süßem Honigstoff, ohne das mindeste Gift.

Asyl, Dezember 1857

 

Damit man nicht bei Ihnen wieder in die Lage kommt, schöne Märchen schlecht erzählen zu müssen, komponiere ich im Hause Wesendonk beifolgendes Exemplar; denn schwarz auf weiß ist etwas Herrliches.
Sie sehen, Sie werden mich noch nicht sobald los: ich niste mich in Ihrem Hause so ein, daß, wenn Sie es selbst abbrennen, aus dem geretteten Hausrate Ihnen eine sehr bekannte Stimme zurufen wird:
"'s war Zeit, daß wir rauskamen!"

Asyl, Winter 1857/58

 

Zum allerbesten habe ich nicht geschlafen, und war soeben schwankend, ob ich trotz Vischer und Eis, heut' kommen würde. Nun denke ich aber doch ein Stündchen noch einzusprechen.
Ich hab viel auf dem Herzen, - und alles ist doch wieder nur das Eine, ohne das ich Ärmster keine Stätte auf dieser Welt mehr hätte. Dies Eine!
Tausend Grüße.

Asyl, Winter 1857/58

 

Danke! Gut geschlafen, - es muß gehen! - Und das Eine!
Schönsten Gruß

Asyl, Winter 1857/58

 

Allerbesten guten Morgen! Es geht so passabel. - Schönsten Dank für alles Gute! - Ich denke, ich gehe stolz zu Fuß in die Probe. Wenn es aber sein muß, nehme ich den Wagen für ¼ vor 2 Uhr an. Sie kommen dann schnell nach.
Gestern wollte ich das Beiliegende schicken!
Auf Wiedersehen!

Asyl, März 1858

 

Schönsten Dank für die herrlichen Blumen! Der alte Stock, wohl gepflegt, steht noch in aller Pracht, drum hüt' ich ihn noch.
- Gut, daß ich gestern den Akt noch fertig machte und abschickte. Heute hätte ich nicht arbeiten können; der Katarrh hat sich vermehrt, und etwas Fieber verläßt mich nicht. Sonst geht's gut - und hell! Und wie geht's denn im Nachbarlande?

Asyl, 4. April 1858

 

Schönen Dank! - Ich habe noch immer etwas Fieber und bin recht matt, denke aber doch noch heute von der schönen Luft etwas zu genießen.
Besten Gruß!

Asyl, 5. April 1858

 

...... So ging's die ganze Nacht fort. Am Morgen ward ich wieder vernünftig und konnte herzinnig zu meinem Engel beten, und dieses Gebet ist Liebe! Liebe! Tiefste Seelenfreude an dieser Liebe, der Duell meiner Erlösung! - Nun kam der Tag mit seinem üblen Wetter, die Freude, Dich zu sehen, war mir versagt, die Arbeit ging noch immer nicht. So war mein ganzer Tag ein Kampf zwischen Mißmut und Sehnsucht nach Dir ......
Sei mir gut, das Wetter scheint mild, heut' komme ich wieder in Deinen Garten, sobald ich Dich sehe. Ich hoffe Dich einen Augenblick ungestört zu finden. Nun meine ganze Seele zum Morgengruß!
R. W.

7. April 1858
(Fragment des Briefes, den Minna erbrochen hat, der Anlaß zur Katastrophe war)

 

Der Brief - wie hat er mich traurig gemacht! Der Dämon zieht aus einem Herzen in das andre. Wie ihn bewältigen? O, wir Armen! Wir sind nicht unser eigen. Dämon, werde Gott!
Der Brief hat mich traurig gemacht. - Gestern schrieb ich an unsre Freundin. Wohl kommt sie nächstens herein.
Dämon! Dämon! Werde Gott!

Mitte April 1858

 

Mir geht es passabel. Wie geht es der eifrigen Schülerin des de Sanctis?
Danke vorläufig für den Servantes. Ich will mich so allmählich wieder für die Arbeit stimmen. Mir winkt der zweite Akt.
Sehen wir uns heute?

Asyl, Ende April 1858

 

Ach das schöne Kissen! Aber zu zart!
So müd' und schwer mir oft auch der Kopf, wagt' ich ihn doch nie draufzulegen, selbst nicht in der Krankheit; - höchstens im Tode! Dann mag ich mein Haupt aber einmal so recht behaglich betten, als ob ich ein Recht dazu hätte! Sie sollen mir dann das Kissen unterbreiten. - Da haben Sie mein Testament!
R. W.

Asyl, 22. Mai 1858

 

Welche wundervolle Geburt unsres schmerzenreichen Kindes! So müßten wir doch leben? Von wem wäre zu verlangen, daß er seine Kinder verließe?
Gott stehe uns bei, uns Armen!
Oder sind wir zu reich?
Müssen wir uns einzig selbst helfen?

Asyl, 1. Juli 1858

 

Leb wohl! Leb wohl, Du Liebe! Ich scheide mit Ruhe. Wo ich sei, werde ich nun ganz Dein sein. Suche mir das Asyl zu erhalten. Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen! Du liebe Seele meiner Seele! Leb wohl - auf Wiedersehen!

Asyl, 16. August 1858

 

Ich sah Dich im Traume auf der Terrasse: Du warst in Männerkleidung und hattest eine Reisemütze auf dem Kopfe. Du spähtest nach der Richtung, in welcher ich verreist war; ich aber nahte von der entgegengesetzten; so wandtest Du den Blick immer von mir ab, und ich suchte vergebens, Dir meine Nähe anzuzeigen, bis ich denn leise rief: Mathilde! dann lauter, immer lauter, bis mein Schlafzimmer davon erklang, und ich vom eigenen Rufen erwachte. - Als dann wieder ein wenig zum Einschlafen und Träumen kam, las ich Briefe von Dir, die mir eine Jugendliebe bekannten; Du hattest dem Geliebten entsagt, doch priesest Du mir seine guten Eigenschaften; ich wurde dabei wie einer genommen, der Dich eben nur trösten sollte, - was mich etwas verdroß. Ich wollte diesen Traum nicht weiter aufkommen lassen, und stand auf, um diese Zeilen zu schreiben. - Den Tag über hatte ich heftige Sehnsucht gehabt, und eine schmerzliche Lebensungeduld hatte sich meiner wieder bemächtigt.

Aus: Tagebuch seit meiner Flucht aus dem Asyl. 23. August, 5 Uhr morgens


 

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